Wer kam auf die Idee?
Die Geschichte wird gern so erzählt: In Kalifornien gab es keine Wellen, also schraubte ein Surfer Rollen unter ein Brett. Das lässt sich gut merken. Nur einen verlässlich belegten Erfinder mit einem eindeutigen Datum bekommt man auf diese Weise nicht. Rollbretter und umgebaute Rollschuhe gab es in verschiedenen Ausführungen; ihre Entwicklung lässt sich nicht auf einen einzigen Werkstattmoment reduzieren.
Gut belegt ist dagegen die Nähe zum Surfen. Das Museum in Hermosa Beach beschreibt, wie kalifornische Surfer in den 1950er-Jahren das Gefühl einer Welle auf festem Boden suchten. Sidewalk Surfing hieß das: mit dem Gewicht arbeiten und Kurven fahren, obwohl sich unter den Füßen kein Wasser bewegte. [1]
Wer solche frühen Boards neben ein heutiges Street-Deck legt, sieht deshalb mehr als einen Unterschied im Alter. Die Bretter waren für andere Bewegungen gedacht. Technische Fliptricks oder Sprünge über Treppen standen noch nicht im Mittelpunkt. Zunächst musste das Ding auf der Straße überhaupt vernünftig rollen und lenken.
In den 1960ern wird aus der Idee eine Szene
Mit Makaha begann Larry Stevenson 1963, Skateboards zu produzieren. Dazu kamen Teams und Vorführungen. Das Brett war nun etwas, das man kaufen und dessen Fahrer man beobachten konnte. 1964 erschien The Quarterly Skateboarder, ein Jahr später schaffte es Patti McGee auf das Cover von Life. Innerhalb weniger Jahre hatte Skateboarding eine erstaunliche Öffentlichkeit erreicht. [2]
Der Fahrstil dieser Zeit wirkt aus heutiger Sicht teilweise ungewohnt. Slalom, Balanceübungen und Freestyle hatten ihren Platz. Ein Handstand auf einem rollenden Board war eine Leistung für sich. Man muss diese frühen Formen nicht als unfertige Version des heutigen Skatens betrachten; sie verlangten schlicht andere Fähigkeiten.
Dass die Idee schon damals über Kalifornien hinausreichte, zeigt ein Board im Smithsonian. Das Museum bewahrt ein Makaha auf, das Jim Fitzpatrick 1964 benutzte und das mit seiner Reise durch mehrere europäische Länder verbunden ist. An solchen erhaltenen Gegenständen wird die Verbreitung greifbar: Das Brett war tatsächlich unterwegs. [3]
Warum Urethanrollen so viel verändert haben
Ein wichtiger Schritt der Skateboard-Geschichte ist erstaunlich klein. Frank Nasworthy brachte mit Cadillac Wheels Polyurethanrollen auf den Markt. Die Skateboarding Hall of Fame nennt dafür 1973 und hebt den zusätzlichen Grip hervor. [4] Für die Fahrer machte das einen erheblichen Unterschied.
Eine Kurve verlangt seitlichen Halt. Wenn die Rollen diese Belastung zuverlässiger übertragen, kann man sich stärker hineinlegen und mehr Druck aufbauen. Auch schräge Flächen und Übergänge werden dadurch anders nutzbar. Was zuvor an den Eigenschaften der Rolle scheiterte, lässt sich mit einem anderen Material plötzlich ausprobieren.
Die Rollen allein erklären natürlich noch keinen neuen Fahrstil. Jemand musste auf die Idee kommen, mit dem zusätzlichen Halt etwas anzufangen. Aber sie veränderten die Voraussetzungen. Das ist auch heute ein guter Grund, sich ein Setup genauer anzusehen: Die Rolle hat unmittelbaren Einfluss darauf, was sich auf dem Untergrund kontrolliert fahren lässt. Ihre Härte ist dabei nur eine von mehreren Eigenschaften.
Dogtown und die Kurve auf Beton
Beim Zephyr-Team aus dem Umfeld von Santa Monica und Venice war die Herkunft aus dem Surfen deutlich zu sehen. Tiefer Stand, gebeugte Knie, viel Körperarbeit in der Kurve. Der Wettbewerb von Del Mar 1975 machte diesen Stil weithin sichtbar. Peggy Oki, die ebenfalls zum Team gehörte, gewann dort ihre Wettbewerbsklasse. [5]
Auf einer schrägen Betonfläche bekam die Bewegung vom Wasser eine neue Umgebung. Der Fahrer konnte Druck aufbauen, die Richtung ändern und den Übergang wieder verlassen. In Pools führte die Linie dann zunehmend nach oben. Wer Bilder aus dieser Zeit anschaut, versteht schnell, warum die Haltung auf dem Board so viel ausmachte: Der ganze Körper war an der Kurve beteiligt.
Die bekannten Aufnahmen verleiten dazu, diese Entwicklung wenigen Namen zuzuschreiben. Ganz so übersichtlich war sie nicht. Neue Rollen, verfügbare Flächen und verschiedene Fahrer trugen dazu bei. Das Zephyr-Team ist ein wichtiger Teil der Geschichte. Fotos und Berichte erklären außerdem, weshalb gerade sein Stil bis heute so präsent geblieben ist.
Mit dem Ollie kommt das Brett vom Boden
Alan Gelfand entwickelte seinen Ollie aus der Transition, also dem gebogenen Übergang einer Rampe. Die Hall of Fame datiert seine frühen Sprünge ohne Griff ans Board auf 1977. Bei Rodney Mullen nennt sie 1982 für die Übertragung auf flachen Boden. [6] [7] Es lohnt sich, beide Schritte auseinanderzuhalten, denn die Ausgangsbedingungen sind verschieden.
In einer Rampe ist die Bewegung nach oben bereits angelegt. Auf der Ebene muss der Fahrer den Absprung selbst erzeugen und das Board mitnehmen, ohne es festzuhalten. Dazu müssen Körperbewegung und Brett im richtigen Moment zusammenkommen. Von außen sieht ein kleiner Ollie unspektakulär aus. Wer ihn lernt, merkt, wie genau dieses Timing sein muss.
Für das Fahren auf der Straße änderte das viel. Eine Kante musste nicht mehr das Ende einer Linie sein. Man konnte auf sie hinauf, über sie hinweg oder mit einer weiteren Bewegung wieder herunter. Zahlreiche spätere Street-Tricks bauen darauf auf. Die Stadt bot weiterhin dieselben Mauern, Stufen und Absätze – nur ließen sie sich nun anders benutzen.
Videos zeigen, wie jemand fährt
Vert, Street und Freestyle entwickelten sich nebeneinander weiter. In der Rampe zählten Höhe und Übergänge, auf der Straße wurden vorhandene Hindernisse interessant. Im Freestyle ging es um Kontrolle und Kombinationen auf begrenztem Raum. Magazine und Videos verbreiteten diese unterschiedlichen Formen; zu den bekannten Stationen gehört The Search for Animal Chin von 1987. [2]
Ein Video konnte etwas zeigen, das eine Trickbezeichnung allein nicht beschreibt. Wie fährt jemand an? Wie lange hält er die Bewegung? Was passiert nach der Landung? Dazu kamen die Auswahl der Orte, der Schnitt und die Musik. Derselbe Trick wirkte bei zwei Fahrern dadurch längst nicht gleich.
Mit dem Skaten verändert sich auch der Blick auf eine Stadt. Eine niedrige Mauer kann ein Sitzplatz sein oder der Anfang einer möglichen Linie. Der Forscher und Skater Iain Borden beschäftigt sich mit dieser Beziehung zwischen Skateboarding und Architektur; das V&A stellt dazu einen seiner Vorträge bereit. [8]
Ein eigener Skatepark bietet Platz, an dem genau solche Bewegungen vorgesehen sind. Trotzdem bleibt die selbst entdeckte Fläche um die Ecke interessant. Dort eine Möglichkeit zu sehen, gehört ebenso zur Kultur wie ein bestimmter Trick oder ein bekanntes Video.
Seit Tokio auch olympisch
Bei Tokio 2020, ausgetragen im Jahr 2021, stand Skateboarding erstmals im olympischen Programm. Gefahren wurden die Disziplinen Street und Park. [9] Damit erreichte der Sport noch einmal ein anderes Publikum und bekam eine zusätzliche internationale Wettkampfbühne.
Ein Contest zeigt allerdings einen bestimmten Ausschnitt. Er braucht einen Zeitrahmen und eine Bewertung. Eine Runde mit Freunden kann einen völlig anderen Maßstab haben: endlich einen Trick stehen, einen neuen Übergang ausprobieren oder nach der Arbeit noch eine halbe Stunde rollen. Das muss sich nicht auf einer Punkteskala abbilden lassen.
Hier findet auch das Surfskate seinen Platz. Es knüpft an die alte Verbindung zum Surfen an und verändert dafür vor allem die Lenkung. Während sich Street-Skating mit Sprüngen und Tricks weit vom ursprünglichen Sidewalk Surfing entfernt hat, rückt beim Surfskate wieder die gefahrene Kurve in den Vordergrund. Beides gehört zur Geschichte des Bretts auf Rollen.
Wie sich diese Achsen entwickelt haben, steht in der Geschichte des Surfskates.
Die Entwicklung auf einen Blick
| Zeitraum | Station | Was sich verändert |
|---|---|---|
| 1950er | Frühes Sidewalk Surfing | Surfbewegungen werden auf die Straße übertragen. |
| 1963–1965 | Makaha, Magazine, breite Öffentlichkeit | Aus einzelnen Brettern wird eine sichtbare Szene. |
| Frühe 1970er | Urethanrollen; Cadillac Wheels 1973 | Mehr Grip erweitert den fahrbaren Bereich. |
| 1975 | Zephyr-Team in Del Mar | Surfgeprägter Stil bekommt große Aufmerksamkeit. |
| Späte 1970er / frühe 1980er | Ollie und Flatground-Ollie | Sprünge ohne Hand am Brett öffnen neue Möglichkeiten. |
| 1980er–1990er | Vert, Street und Videokultur | Fahrstile und ihre Vermittlung differenzieren sich. |
| 2021 | Olympisches Debüt in Tokio | Street und Park erhalten eine weitere weltweite Bühne. |
Bei Erfindungen liegen der erste Versuch und die spätere Veröffentlichung oft auseinander. Die Jahreszahlen beziehen sich auf die im Text genannten Ereignisse und Quellen.
Quellen & weiterführende Links
- Hermosa Beach Historical Society: SkateboardFrühe Surf-Verbindung und Makaha.
- Skateboarding Hall of Fame: History TimelineZeitleiste, frühe Magazine, Patti McGee und Videos.
- Smithsonian: Makaha skateboard used by Jim Fitzpatrick in 1964Erhaltenes Objekt und europäische Reise.
- Skateboarding Hall of Fame: Frank NasworthyCadillac Wheels: Markteinführung 1973 und Bedeutung des Materials.
- Skateboarding Hall of Fame: Peggy OkiZephyr-Team und Del Mar 1975.
- Skateboarding Hall of Fame: Alan GelfandOllie aus der Transition; Datierung 1977.
- Skateboarding Hall of Fame: Rodney MullenÜbertragung auf Flatground; Datierung 1982.
- V&A: Skateboarding and the cityVertiefung zu Stadtraum und Kultur.
- Olympics: SkateboardingOlympisches Debüt und Disziplinen.


